Wissenschaftler fordern Maßnahmen zum Schutz genmanipulierter Kleinkinder

01.03.2022

Chinesische Experten schlagen Überwachungs- und Schutzmaßnahmen für die weltweit ersten drei Babys vor, deren Erbgut gentechnisch verändert wurde. Angeblich soll der Urheber dieses Eingriffs, He Jiankui, in Kürze aus dem Gefängnis entlassen werden.

 

He Jiankui, ehemaliger Genforscher an der Southern University of Science and Technology of China in Shenzhen. (Foto von VCG)


2018 schockierte He, Genforscher an der Southern University of Science and Technology of China in Shenzhen in der südchinesischen Provinz Guangdong, die Weltöffentlichkeit mit der Aussage, erstmals genetisch veränderte menschliche Wesen geschaffen zu haben.

 

Im Dezember 2019 wurde He zu drei Jahren Haft verurteilt. In einigen Medien war ohne Nennung von Quellen die Rede davon, dass He in Kürze frei komme. Das hat Sorge um das Wohlergehen der genmanipulierten Babys, den Zwillingen Lulu und Nana und einem Mädchen namens Amy, geweckt.


Vor dem Hintergrund dieser Bedenken hat die Global Times von Qiu Renzong von der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften in Beijing und Lei Ruipeng von der Huazhong University of Science and Technology in Wuhan in der Provinz Hubei erfahren, dass sie Vorschläge ausgearbeitet hätten, wie die Regierung Maßnahmen ergreifen könne, um die drei Kinder und ihre künftigen Nachkommen vor Diskriminierung und genetischbedingten Krankheiten zu schützen, die als Folge der Genmanipulation auftreten könnten.

 

Die Vorschläge enthalten Pläne zur regelmäßigen Untersuchung des Genoms der Kinder, um eventuelle Veränderungen frühzeitig entdecken und auf die Art der Abweichung hinunter suchen zu können. Nach Erreichen des 18. Lebensjahres sollten die Betroffenen von ihren Eltern, unterstützt durch Genexperten, über die künstliche Veränderung ihres Genoms aufgeklärt werden.

Desweiteren schlagen die beiden Wissenschaftler vor, dass eine spezielle Forschungs- und Fürsorgeeinrichtung geschaffen werde, für die staatliche und private Geldmittel für die Erforschung und Milderung der Folgen dieses Eingriffs bereitgestellt werden könnten. Die Global Times hat von Lei erfahren, dass der Vorschlag in Kürze auf China Science Daily veröffentlicht werden soll. 

Auf der Website des Fachmagazins Nature wurde am Freitag ein Artikel veröffentlicht, in dem internationale Wissenschaftler sagten, dass man darüber sprechen müsse, wie man die beispiellose Lage der Kinder gestalten könne, weshalb die Vorschläge der beiden chinesischen Wissenschaftler begrüßenswert seien. Allerdings wurde auch der Sorge darüber Ausdruck verliehen, dass dies zu einer unnötigen Überwachung der Kinder führen könnte.


Qiu sagte am Montag gegenüber der Global Times, dass es, angesichts der Art und Weise der Genmanipulation und der aktuellen Entwicklung der Gentechnologie, notwendig sei, den Sektor zu überwachen.


Qiu erläuterte, dass die Techniken der Genmanipulation gegenwärtig noch wenig entwickelt seien. Die Erfolgsquote der Eingriffe sei gering und potenzielle, unbeabsichtigte Nebenwirkungen seien feststellbar. Es bestehe vor allem die Gefahr, dass genetische Defekte durch normale Fortpflanzung von Kindern und Kindeskindern weitergetragen werden könnten.

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Quelle: german.china.org.cn

Schlagworte: Wissenschaftler,Genmanipulation,Baby