Energie-Drehkreuz Türkei: Mehr Länder als nur Russland müssen sich beteiligen

17.10.2022

Die Zustimmung der Türkei zu Russlands Vorschlag, ein Erdgasverteilungszentrum im Land zu errichten, spiegelt das Bestreben der Türkei wider, eine internationale Energiedrehscheibe zu werden, aber der Plan braucht die Beteiligung von mehr Produzenten als Russland, um praktikabel zu werden, sagen Experten.


Der russische Präsident Wladimir Putin (3. v. l.), der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (3. v. r.), der serbische Präsident Aleksandar Vucic (2. v. r.) und der bulgarische Premierminister Bojko Borissow (2. v. l.) nehmen an der Eröffnungszeremonie des TurkStream-Projekts in Istanbul teil. (Archivbild vom 8. Januar 2020/ Xinhua)


Nach einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Donnerstag in Kasachstan erklärte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am vergangenen Freitag gegenüber Reportern, dass er Putins Vorschlag zur Einrichtung eines Gasverteilungszentrums in der Türkei zugestimmt habe und die nordwestliche Region Thrakien an der Grenze zu Bulgarien und Griechenland als besten Ort für den Plan empfehle.

 

Die Türkei spiele ernsthaft mit Putins Idee, aber das Projekt wäre erst realistisch, wenn sich auch andere Produzenten wie der Iran, Aserbaidschan oder Turkmenistan beteiligen, sagte Serkan Demirtas, ein türkischer außenpolitischer Analyst, gegenüber Xinhua.


Das Projekt werde die europäischen Länder, die ihre Abhängigkeit von Moskau verringern wollen, davon überzeugen, die neue Drehscheibe zum Gas-Kauf zu nutzen, glaubt der Analyst.


Der russische Staatschef wolle den europäischen Ländern, die ihren Energieverbrauch in diesem Winter einschränken wollen, versichern, dass sie bei der Deckung ihres Gasbedarfs weiterhin auf Russland zählen können, so Demirtas weiter.

 

„Die Türkei wird jetzt zu einem neuen zuverlässigen Energiekorridor für die Welt und Europa“, erklärt Altug Karatas, Energieexperte bei der Independent Industrialists and Businessmen Association.


„Die Türkei bietet die einzige Route, durch die aserbaidschanisches Gas, sogar turkmenisches Gas, iranisches Gas und Gas aus dem östlichen Mittelmeerraum nach Europa fließen können“, wird der Experte von der Internet-Tageszeitung haber7com zitiert.


Wenn sich die Türkei wie geplant zu einem Drehkreuz entwickele, werde sie zu einer Energiebörse auf dem weltweiten Erdgasmarkt, an der die Gaspreise festgelegt werden, sagt Karatas.

 

Nach den Explosionen an beiden Nord Stream-Pipelines ist TurkStream, eine Erdgaspipeline, die von Russland in die Türkei führt, zusammen mit einem begrenzten Transitfluss über die Ukraine beinahe die letzte verbleibende Route, da Russland die Gaslieferungen nach Europa reduziert hat.

 

Als NATO-Mitglied unterhält die Türkei enge Beziehungen sowohl zur Ukraine als auch zu Russland und hat sich den westlichen Sanktionsmaßnahmen gegen Moskau nicht angeschlossen. Stattdessen bemüht sie sich seit dem Ausbruch des Konflikts im Februar um eine Vermittlung zwischen den beiden Ländern.

 

Dennoch gebe es einige Aspekte des russischen Vorschlags, die in Verhandlungen geklärt werden müssten, sagte eine der türkischen Regierung nahestehende Quelle gegenüber Xinhua. Kommerzielle und rechtliche Punkte müssten zwischen der Türkei und Russland geklärt werden, und letztendlich würden wahrscheinlich Dritte russisches Gas auf die europäischen Märkte exportieren, sagte die Quelle unter der Bedingung, ihre Anonymität zu wahren.

 

Der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu sagte am Freitag, der russische Vorschlag müsse „gründlich durchdacht werden“.


„Es gibt Investitionen, die getätigt werden müssen. Sie müssen geprüft werden“, wurde er von der staatlichen Agentur Anadolu zitiert.

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Quelle: german.china.org.cn

Schlagworte: Türkei,Russland,Erdgas,Energiedrehscheibe