Internationale Kooperation im All

Europa verzichtet „auf Druck der USA“ auf Sendung von Astronauten zu Chinas Raumstation

13.02.2023

Kürzlich gab der Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) bekannt, dass seine Organisation aktuell nicht plane, europäische Astronauten zur chinesischen Raumstation zu schicken – entgegen früherer Vereinbarungen. Damit beuge sich Europa dem Druck aus Washington und handele kurzsichtig, zum Schaden des bemannten Raumfahrtprogramms, kritisieren Experten.

Chinas Raumstation


Der seit einem Jahr ausgetragene Russland-Ukraine-Konflikt, der den Einfluss und den Druck der USA in Europa an mehreren Fronten nochmal verstärkt und ausgeweitet hat, darunter auch in der Raumfahrt, könnte der wichtigste politische Faktor dafür sein, dass Europa seinen Plan, die chinesische Raumstation zu besuchen, aufgegeben hat, erklärten Beobachter. Zuvor hatte der Leiter der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) bekannt gegeben, dass die Agentur keine Astronauten zur chinesischen Raumstation „Tiangong“ (Himmelspalast) schicken werde.

ESA-GeneraldirektorJosef Aschbacher hatte Ende Januar während einer jährlichen Pressekonferenz in Paris gesagt, dass „wir im Moment weder das budgetäre noch das politische, sagen wir, grüne Licht oder die Absicht haben, uns an einer zweiten Raumstation zu beteiligen, das heißt, an der chinesischen Raumstation teilzunehmen", berichtete die Space News.

Diese Bemerkung wurde in der Folge von einigen westlichen Medien aufgegriffen, wobei die Voice of America (VOA) am Sonntag in einem Nachrichtenbericht zum Beispiel behauptete, dass die Zusammenarbeit zwischen China und Europa im Rahmen des „neuen Wettlaufs im Weltraum" schwierig sei.

Nachdem die China Manned Space Agency (CMSA, Chinesische Agentur für bemannte Raumfahrt) und die ESA 2015 eine Vereinbarung unterzeichnet hatten, arbeiten China und die ESA seit Jahren auf einen möglichen Besuch europäischer Astronauten auf Chinas Tiangong-Raumstation hin. So nahmen im August 2017 die ESA-Astronauten Samantha Cristoforetti und Matthias Maurer zusammen mit 16 chinesischen Astronauten an einem neuntägigen Überlebenstraining auf See vor der ostchinesischen Küstenstadt Yantai teil. Im Jahr darauf nahm dann der chinesische Astronaut Ye Guangfu an einem Höhlenkurs der ESA auf Sardinien teil, um als Teil einer multikulturellen Crew die Arbeit in einer extremen Umgebung zu erleben, so die ESA.

China hat sein erstes Raumstationsmodul im Jahr 2021 gestartet und den Außenposten mit drei Modulen Ende 2022 fertiggestellt. Beamte der CMSA haben in der Vergangenheit wiederholt erklärt, dass sie Interesse an internationalen Astronauten hätten, die zur Raumstation Tiangong fliegen.

Die Entscheidung der ESA sei das Ergebnis einer zunehmenden „Entführung“ Europas durch die USA inmitten des anhaltenden und langwierigen Russland-Ukraine-Konflikts, erklärte Song Zhongping, ein Kenner der Branche und Fernsehkommentator, der Global Times am Sonntag.

Der Verzicht auf die Zusammenarbeit mit China im Bereich der bemannten Raumfahrt sei eindeutig kurzsichtig, was zeige, dass die von den USA angeführte Lagerbildung zu einem neuen Wettlauf im Weltraum geführt habe.

Diesen Artikel Drucken 丨 Merken 丨 Senden 丨 Feedback

Quelle: german.china.org.cn

Schlagworte: Raumfahrt,USA,Astronaut